1. Welche Vorstellungen haben Sie aus städtebaulicher Sicht für die Entwicklung der Backesgärten, der Lebeaumühle und der „Erlenkunzen“?

Grundsätzlich möchte ich festhalten, dass Friedrichsdorf in den letzten Jahren beachtlich gewachsen ist und durch die Neubaugebiete ” 2. Bauabschnitt Ökosiedlung” und “Hoher Weg” noch erheblich wachsen wird. Die Auswirkungen spüren wir schon jetzt, unsere Infrastruktur ist dabei nicht mitgewachsen – Verkehr, ÖPNV, Kindergartenplätze, … Dazu lebt Friedrichsdorf mit seinen Ortsteilen von der naturnahen Umgebung am Hang des Taunus. Das macht unsere Stadt und Heimat aus. Ich sehe es daher nicht mit Freude, dass wir bereits darüber sprechen, weitere grüne Flecken in Friedrichsdorf zu bebauen: Backesgärten ist beschlossen, Lindenstraße ist in Vorbereitung. Ich möchte nicht jeden letzten grünen Fleck in unserer Stadt vollknallen.Backesgärten: Gerade an dieser Stelle als ökologisches Kleinod mitten im Ort hätte ich mir mehr Fantasie gewünscht, weniger Bauen von der Stange mit Wohnraummaximierung auf der Fläche durch einen Investor. Warum nicht ein Gemeinschaftsprojekt (evtl. Genossenschaften) mit kleinen bezahlbaren Wohneinheiten und Gemeinschaftsgarten (Essbar!) in der Mitte. Architektonisch ansprechend, aus nachwachsenden Rohstoffen, viel grün.Lebeaumühle: Historische Gebäude und Areale möchte ich gerne erhalten. Was einmal verloren ist, kommt nicht wieder, das gilt auch für unser bauliches Erbe. Den Turm wenn möglich als Industriedenkmal erhalten, kleine Handwerksbetriebe erhalten und ansiedeln, Kunstgewerbebetriebe dazu holen und dazugehörigen Wohnungsbau fördern. Dazu müssen alle Beteiligten an einen Tisch: Besitzer, Denkmalamt, Handwerk, Kunstgewerbe. Ein offener Prozess von Anfang in Form eines Gestaltungsbeirates mit Experten von außen.

2. Welche Konzepte haben Sie, um in diesen zentralen neuen Wohngebieten soziale, ökonomische und ökologische Anforderungen erfolgreich umzusetzen?

Wie oben beschrieben, sind Gemeinschaftsprojekte wie Genossenschaften ein guter Ansatz. Durch solche Projekte lässt sich auch bezahlbarer Wohnbau realisieren. Dazu sollte von Anfang ein Quartiersmanagement installiert werden und auf Durchmischung der Quartiere geachtet werden.Ökologische Aspekte kommen bei den aktuellen Bauprojekten leider viel zu kurz. Wenn ökologisch heißt: keine Autoverkehr im Quartier und deswegen die Häuser noch enger zusammenzurücken finde ich, das ist nicht der Sinn der Sache. Darüber hinaus sollten wir auch mal Neues denken – z.B. Holzbau in den Backesgärten, Begrünung des Lebeaumühlen-Areals. Gute ÖPNV-Erschließung (ganz Köpperns!) z.B. durch Anrufsammeltaxis etc…, Bewässerung durch Zisternen, Nutzung alternativer Energien, Fahrradgaragen (kleine Pavillons wie in HH), Car-Sharing, Ladesäulen…Unterm Strich wird sich das rechnen. Es gibt zahlreiche Geldgeber, die die Finanzierung gerade solcher innovativen, modernen Wohnanlagen mit ökologischem und generationenübergreifendem Charakter möglich machen. Dafür gibt es sowohl von der Finanzierungsseite als auch vom Wohnungsmarkt eine echte Nachfrage.

3. Wie kann dort – jenseits von sozial gefördertem Wohnungsbau – bezahlbarer Wohnraum entstehen?

Gemeinschaftsprojekte wie Genossenschaften sind ein moderner Ansatz, um bezahlbaren Wohnraum zu ermöglichen. Dann sollten nicht wie geplant überall das klassische (teure) Einfamilienhaus mit einem großen und teuren Grundstück drumherum entstehen, sondern kleinere Wohneinheiten auf kleineren Grundstücken, kleine Mehrfamilienhäuser jeweils mehrere gruppiert um Gemeinschaftsgrün, das gern gemeinsam begärtnert und bewirtschaftet werden darf.

4. Wie lassen sich öffentliche Grünflächen in das Konzept integrieren?

Öffentliche Grünflächen müssen erst geschaffen werden. In den Backesgärten könnten kleine Wohneinheiten in Mehrfamilienhäusern und Tiny Houses um das grüne Gemeinschaftseigentum herum gebaut werden. Gemeinschaftsgrün = Genossenschaftseigentum oder städtisches Eigentum. Wichtig ist, dass das Gemeinschaftsgrün auch ein Gemeinschaftsprojekt ist, mit dem sich die Anwohner und die Köpperner identifizieren. Schön wäre, wenn die Kleingartenidylle, die wir jetzt dort haben, in irgendeiner Art und Weise wiederbelebt werden könnte. Auf dem Lebeaumühlenareal: weg von Bepflasterung und Asphalt, Baumbestand  erhalten und nachpflanzen, kleine grüne Plätze mit Bänken und Tischen (es muss ja nicht immer ein Park sein!)

5. Welche Vorschläge haben Sie zum ökologischen Bauen dort?

Wie oben bereits beschrieben, sollte bei den Projekte auf nachhaltige Baumaterialien geachtet werden, z.B. mit einer Modellprojektsiedlung Holzbau

6. Was ist Ihr Verkehrskonzept der Zukunft für Köppern gerade auch mit Blick auf die Wohnungsbauvorhaben?

Friedrichsdorf und die Ortsteile sind in den vergangenen Jahren ordentlich gewachsen. Die Verkehrsinfrastruktur ist aber nicht entsprechend mitgewachsen. Wir brauchen einen Wechsel im ÖPNV – weg von großen, leeren Dieselbussen hin zu kleineren Mini-Bussen mit klimafreundlichen Antrieben. Der ÖPNV muss sich umstellen und vermehrt “on-demand”-Lösungen anbieten. Statt eine Bushaltestelle im vorgeschriebenen Umkreis zu haben, an der der Bus zu festen Zeiten vorbeikommt, brauchen wir bedarfsgerechte Flexibilität, z.B. Anrufsammeltaxis und Kleinbusse, bei Veranstaltungen im Forum, Nachtbusse auch in abgelegenere Gegenden. Gerade die zunehmende ältere Bevölkerung braucht eine andere Mobilität, um weiterhin selbstständig in den eigenen vier Wänden zu verbleiben und trotzdem gut an die Innenstadt und eine zufriedenstellende Infrastruktur angebunden zu sein. Auch der Fahrradverkehr wird in den kommenden Jahren eine immer größer werdende Rolle spielen. Dies muss bei einer zukunftstragenden Verkehrsplanung eine wichtige Rolle spielen Dazu gehören vor allem bedarfsrechte Fahrradwege. Und drei Fahrradständer vor dem Forum sind zu wenig, auch da muss mehr gehen!

7. Wie wollen Sie sich für die Erhaltung historisch wertvollen Baubestands in Köppern einsetzen?

Das ist ein langwieriger Prozess, der viel Zeit und Engagement bedarf. Eine einfache Lösung wird es dafür nicht geben. Wie bei der Belebung der Innenstadt müssen dafür alle Beteiligten an einen Tisch: Eigentümer, Denkmalschützer, Vereine und interessierte Köpperner. Nur so erreichen wir einen konstruktiven Austausch zum Wohle der Stadt und des Projektes. Und ein gemeinsames Ziel ist elementar für das Gelingen zur Erhaltung des historischen Baubestandes in Köppern und anderen Ortsteilen.