Die Wasserkraft des Erlenbaches bestimmte über viele Jahrhunderte das Leben in Köppern. Entlang eines ausgeklügelten Grabensystems floss das an mehreren Stellen abgezweigte Wasser ruhig, aber stetig an zehn Mühlen vorbei, um bei der Tannenmühle das Köpperner Gebiet zu verlassen. Die Belehnung des Müllers Printsac mit der Tannenmühle im Jahr 1269 markiert übrigens die Ersterwähnung des Ortes.

Die Köpperner Mühlen sind: 

  • Walkmühle – N 50°16,9 / E 008°37,2
  • Hüttenmühle – N 50° 16,7 / E 008° 38,0
  • Rousseletmühle / Hutfabrik – N 50° 16,6 / E 008° 37,2
  • Rossbach-/Wintermühle – N 50°16,7 / E 008° 38,3
  • Köhlermühle – N 50° 16,6 / E 008° 38,9
  • Quirinsmühle – N50° 16,6 / E 008° 38,9
  • Meyer- / Wolfmühle – N 50°16,6 / E 008° 38,9
  • Lebeaumühle – N 50° 16,5 / E 008° 39,2
  • Teichmühle – N 50° 16,4 / E 008° 39,4
  • Tannenmühle – N 50° 16,2 / E 008° 39,7

Informationen zu den einzelnen Mühlen

Walkmühle

Die Walkmühle im Köpperner Tal wurde 1833 von Charles David Privat, einem Walkmüller, errichtet und diente der Kunstwollspinnerei. Nach ihm übernahm sein Sohn Charles den Betrieb. Sie gehört damit zu den jüngeren der historischen Köpperner Mühlen.

Nach dem Ende der eigentlichen Mühlennutzung blieb das Gebäude als Wohnhaus bestehen und wurde im Volksmund bis etwa 1974 weiterhin „Walkmühle“ genannt. 1914 erwarb die Stadt Frankfurt das Anwesen als Wohnhaus für drei Familien von Bediensteten der örtlichen Nervenheilanstalt. 1950 betrieb Hermann Schweizer dort für kurze Zeit sogar eine kleine Limonadenherstellung.

Im Zuge des Ausbaus der Köpperner Talstraße wurde die Walkmühle am 21. Mai 1974 abgerissen, die neue Straße wurde im November 1975 dem Verkehr übergeben. Der frühere Name „Walkmühle Rousselet“ bezeichnete dagegen nicht dieses Gebäude, sondern war ein historischer Name der benachbarten Hutfabrik Rousselet.

Hüttenmühle

Die Hüttenmühle, auch Waldmühle, Obere Papiermühle oder Sandelmühle genannt, wurde 1570 von Henn Fatz auf eigene Kosten neu errichtet. Zwischen 1575 und 1640 sind mehrere Besitzer belegt; gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges verfiel die Anlage. Um 1690 baute der Papiermüller Johannes Hartert aus Cleeberg sie wieder auf.

In den folgenden Jahrzehnten wechselten die Eigentümer mehrfach, bis 1818 Heinrich Hüttenmüller aus Schlitz die Wald- bzw. Sandelmühle erwarb – ihm verdankt die Mühle ihren bis heute gebräuchlichen Namen. 1857 wird sein Sohn Karl Hüttenmüller als Papiermüller genannt.

1901 kaufte die Stadt Frankfurt das Gelände samt Wald- und Ödlandflächen und errichtete dort eine Heil- und Pflegeanstalt für Nervenkranke, die 1934 in „Frankfurter Pflegeanstalten“ umbenannt wurde. Nach Erweiterungen während des Zweiten Weltkriegs entstand daraus das spätere Waldkrankenhaus, dessen Gelände bis heute an die frühere Hüttenmühle erinnert.

Rousseletmühle / Hutfabrik

Die spätere Hutfabrik Rousselet geht auf eine 1710 von Michael Kopfschell neu erbaute Mühle zurück, die zunächst als Mittlere Papiermühle bzw. „Kopfschellsche Mühle“ bekannt war. Sein Sohn Henrich führte den Betrieb bis 1784 weiter, danach wechselte der Besitz über mehrere Generationen, unter anderem an Carl Ludwig Mann und Johann Philipp Neeb.

1803 starb Neeb, es folgten weitere Besitzer, bis 1834 der Betrieb als Hutfabrik „Resolut“ firmierte. Ab 1875 wurde dort ein Walkwerk für Hutstumpen der Hutfabrik L. F. Rousselet eingerichtet, wodurch die Anlage schließlich ihren bekanntesten Namen erhielt: Hutfabrik Rousselet, gelegentlich auch „Walkmühle Rousselet“ genannt.

Das Gebäude befindet sich heute im Besitz der Familie See. Köppern besaß im Übrigen mehrere Hutfabriken – neben Rousselet auch die von Heinrich Schneider und Philipp See –, doch die Rousselet-Anlage mit ihrer langen Mühlengeschichte gilt als die bedeutendste unter ihnen.

Rossbach-/Wintermühle

Die Roßbachmühle, auch Wintermühle genannt, ging vermutlich auf eine ursprünglich von Wendel Seeh hinterlassene, verfallene Ölmühle zurück, die 1635 an dessen Nachkommen gelangte. 1714 verkaufte Joh. Friedr. Schneider die zwischenzeitlich erneut verfallene Mühle an Johann Heinrich Roßbach aus Burgholzhausen, dem die Mühle ihren geläufigen Namen verdankt.

Über mehrere Generationen blieb sie im Besitz der Familie Roßbach, ehe sie 1823 an Konrad Hückmann und 1832 an den Papierfabrikanten Franz Wagner verkauft wurde. 1836 erwarb sie Philipp Roßbach. Um 1890 übernahm der Lohmüller August Ludwig Winter den Betrieb, wonach die Mühle zusätzlich den Namen „Wintermühle“ erhielt.

Im Laufe ihrer Geschichte diente die Mühle unterschiedlichen Zwecken – als Öl-, Mahl-, Papier- und Lohmühle. 1934 wurde sie als Wohnhaus genutzt; die Mühle selbst ist heute nicht mehr vorhanden.

Köhlermühle

Über die Entstehung der Köhlermühle, die zunächst als Mahl- und später auch als Papiermühle diente, gibt es nur Vermutungen. Als erster nachweisbarer Müller gilt Johann Caspar Ehmann aus Mühlheim, Ortsbürger ab 1721; bereits 1742 kam es zu einem Rechtsstreit mit dem benachbarten Müller der unterhalb gelegenen Wagnermühle wegen einer Erhöhung des Mühlrads.

Nach Ehmanns Nachfolgern Daniel Kraus und Anton Baßing führte um 1800 der Müllermeister Philipp Köhler aus Ossenheim den Betrieb, dem die Mühle ihren bis heute gebräuchlichen Namen verdankt. Über seine Söhne gelangte sie später an Jacob Friedrich See, woher in Köppern die Bezeichnung „See-Müller“ stammt.

Ab etwa 1934 diente das Gebäude nur noch als Wohnhaus, wobei das oberschlächtige Mühlrad noch lange elektrischen Strom für die benachbarte Wollspinnerei Foucar lieferte, ehe es in neuerer Zeit abgebaut wurde.

Quirinsmühle

Die auch als Wagnermühle bekannte Quirinsmühle lag unterhalb der Köhlermühle, etwa an der Stelle der heutigen Kaskade, und besaß das größte oberschlächtige Mühlrad am gesamten Mühlgrabenverlauf. Ursprünglich als Mahlmühle betrieben, ist als erster Müller Johannes Becker belegt, der 1755 starb; ihm folgte sein Schwiegersohn Johannes Bast aus Burg bei Herborn.

1780 beschwerten sich Anwohner, dass im Winter bei Schneefall Wasser aus dem Mühlgraben in die Gassen laufe – ein Beleg dafür, dass Bast zu dieser Zeit die Mühle betrieb. Sein Schwiegersohn Johann Ludwig Wagner und später dessen Sohn Johannes führten den Betrieb fort, ehe um 1840 Louis Foucar die Mühle übernahm und sie in eine Wollspinnerei umwandelte.

Der weniger gebräuchliche Name „Quirinsmühle“ geht auf den um 1900 von der Familie Foucar eingesetzten Verwalter Johann Kaspar Quirin zurück. Später diente die Anlage der Pelzveredelung, bevor sie 1979/80 abgerissen wurde; an ihrer Stelle entstanden Reihenhäuser.

Meyer- / Wolfmühle

Die als zweite Mühle unterhalb der Köhlermühle gelegene Meyer- oder Wolfmühle war ursprünglich eine Mahlmühle, die um 1659 von Cunrad Hilger betrieben wurde. Ab 1706 ist eine Reihe von Müllern aus der Familie Meyer nachweisbar – Johann Conrad, Johann Lorentz und schließlich Johannes Meyer, der 1836 ohne männliche Nachkommen starb.

Ihm folgte der Müller Johannes Wolf aus Darmstadt, von dem sich der zweite Name „Wolfmühle“ herleitet. In der Folge ging die Mühle in die Wollspinnerei Foucar über und wurde ab 1955 als Pelzveredelung Alfa GmbH genutzt; das mittelschlächtige Mühlrad ist durch eine Zeichnung von 1908 dokumentiert.

Ab 2010 befindet sich an dieser Stelle ein REWE-Markt, sodass von der ursprünglichen Mühlennutzung heute nichts mehr sichtbar ist.

Lebeaumühle

Die Lebeaumühle, auch Cappesen- oder Böhrersmühle genannt, geht auf Kilian Cappes zurück, der 1652 als neuer Bürger und Mühlenbesitzer in Köppern erscheint und bis zu seinem Tod 1691 die Mühle betrieb. Seine Erben verkauften die Mühle, 1705 wird Werner Marck als Müller genannt, der mit einer Enkelin des Kilian Cappes verheiratet war.

Ihren bekanntesten Namen erhielt die Mühle durch Frédéric Lebeau, Bürger in Friedrichsdorf und Besitzer einer Wollspinnerei in Köppern. Nachfolgende Eigentümer waren August Louis Gauterin und sein Sohn Louis Friedrich Gauterin, unter denen der Betrieb als Wollspinnerei Gauterin firmierte.

Letzter Inhaber der Wollspinnerei war der Schwiegersohn Isselhorst; das Gelände befindet sich heute im Besitz seines Sohnes Dr. Dieter Isselhorst, dessen Gebäude inzwischen von gewerblichen Pächtern genutzt werden.

Teichmühle

Die Teichmühle, ursprünglich als Hofwiesen- oder Markloffsche Mühle bekannt, ist bereits 1653 mit dem Hof- bzw. Amtswiesenmüller Georg Weygand belegt. Ende 1905 wandelte Ludwig Markloff die Mühle in ein Erholungsheim für Justizbeamte um; 1907 diente sie als Restaurant mit Pension, in dem im selben Jahr der Taunusklub-Zweigverein Köppern gegründet wurde. 1909/1910 beherbergte sie sogar kurzzeitig eine Lehranstalt des Deutschen Flugtechnischen Instituts.

1918 erwarb die Stadt Frankfurt das Anwesen und richtete dort ein städtisches Altersheim ein, das später an das „Hospital zum heiligen Geist“ überging. Mehrere Brände suchten die Teichmühle heim, unter anderem 1882, 1896 und 2007, als das Küchen- und Aufenthaltsgebäude vollständig abbrannte.

Seit 1975 wird die Einrichtung vom Frankfurter Verein für soziale Heimstätten als Wohnheim für Männer in besonderen sozialen Schwierigkeiten betrieben; nach dem Brand von 2007 erfolgte 2008 Abriss und Neuaufbau. Im Hof erinnert bis heute eine 1906 eingeweihte Gedenktafel an die silberne Hochzeit des deutschen Kaiserpaares.

Tannenmühle

Die Tannenmühle, auch Unterste Mühle, Gebrannte Mühle oder später Grunermühle genannt, gilt als die Mühle, der die erste urkundliche Erwähnung Köpperns aus dem Jahr 1269 zugeschrieben wird: Gerhard III. von Eppstein belehnte damals Burchard Printsac mit „Molendium in Copperno“. 1486 wird sie als Beleihung des Amtmanns Henne von Beldersheim erneut genannt.

Über Jahrhunderte wechselten die Müllerfamilien, darunter Conrad Lorey, Johann Schneider, die Familie Weygand und ab 1665 Konrad Cappes. Ab 1735 ist mit Johann Philipp Vorbach eine Müllerdynastie belegt, die bis 1842 auf der Mühle saß. Später führte Johann Hector Gruner und sein Sohn Heinrich Karl den Betrieb, worauf die Zweitbezeichnung „Grunermühle“ zurückgeht. Die Grenze zwischen Köppern und Rodheim verläuft seit der Teilung der Waldmark 1737 mitten durch das Anwesen, sodass das Mühlengebäude in der Rodheimer und das Wohnhaus in der Köpperner Gemarkung liegt. Als Getreidemühle war die Tannenmühle bis 1959 in Betrieb, danach legte die Familie Gruner den Mahlbetrieb im Rahmen einer staatlichen Stilllegungsmaßnahme still.